Wie KI den Mittelstand transformiert

Da staunten die Teilnehmer der Veranstaltung „Digital MachBAR“ nicht schlecht, als der20-jährige Jungunternehmer Winston Nau im Co-Working-Space Rivvers im Schlossbergcenter einen Impulsvortrag zum Thema „KI-Automatisierung, die sich rechnet“ hielt.

Als 14-Jähriger begann Winston Nau an der Philipps-Universität Marburg ein Schülerstudium im Fach Informatik. Mit 15 Jahren übernahm er bereits Aufträge von internationalen Unternehmen. Vier Jahre später hat er seinen Bachelor-Abschluss in der Tasche.

Mit 18 Jahren – ein Jahr vor seinem Studienabschluss – gründete Winston Nau eine eigene Firma: „Welp IT“. Was der Name bedeutet, wollte ein Teilnehmer wissen. Er stehe für „We help“ – bezogen auf IT-Systeme, erklärte der 20-Jährige. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Marburg. Geschäftsführer Winston Nau unterstützt kleine und mittlere Unternehmen dabei, digitale Prozesse umzusetzen. Sein Schwerpunkt liegt auf der individuellen Software- und App-Entwicklung und der Automatisierung von Geschäftsprozessen, bei der auch KI-gestützte Systeme zum Einsatz kommen.

„KI-Automatisierung rechnet sich“, erklärte Winston Nau. Der Mittelstand verschenke sein Potenzial. Viele der Prozesse in Unternehmen ließen sich mit künstlicher Intelligenz optimieren. „Zu wenige Unternehmen heben das Potenzial“, sagte der Jungunternehmer. Vor allem kleinere Handwerksbetriebe könnten von dem KI-Einsatzprofitieren. Nau berichtete von einem Praxisbeispiel, bei dem eine Mitarbeiterin viele Stunden mit dem Hinterhertelefonieren von Kunden verbrachte, um sie an das Zahlenihrer Rechnungen zu erinnern.

Das Mahnwesen in dem Handwerksbetrieb hat „Welp IT“ automatisiert, was nicht nur eine Zeitersparnis brachte, sondern auch den Nebeneffekt hat, dass das Unternehmenseine Liquidität erhöht habe, sagte Nau.

Als weitere Einsatzmöglichkeit erläuterte der 20-Jährige das Einbinden eines KI-Telefonassistenten in die betrieblichen Abläufe – da, wo es passt. Als Beispiel führte er das Dauerproblem in einer Arztpraxis an: Patienten und Patientinnen rufen an, um einen Termin zu vereinbaren, hängen dann aber in einer Warteschleife und legen Minuten später verärgert auf. Für Nau ist klar: Wenn die Telefonzentrale während der Behandlungen nicht besetzt ist, gibt es eine Alternative, um bestimmte Abläufe zu automatisieren. Zum Beispiel könnten Anfragen wie zu den Öffnungszeiten und die Vergabe von Terminen von einem KI-Telefonassistenten übernommen werden, sagte Nau.

Als drittes Praxisbeispiel nannte der Jungunternehmer das Mandanten-Onboarding – das Anlegen von Mandanten – bei einem Steuerberater, das automatisiert werden kann. „Was vorher vielleicht fünf Stunden Arbeitszeit in Anspruch genommen hat, kann die KI in zehn Minuten schaffen“, sagte Nau. „Wenn ein Mitarbeiter pro Tag ein bis zwei Stunden an Arbeitszeit einspart, ist das ein riesiger Impact und führt zu einer Umsatzsteigerung“, sagt Nau. Und ergänzend zum Einsatz von KI in Unternehmen sagte er: „Man fängt immer klein an.“

Was sich für Unternehmen am meisten lohnt, wollte ein Teilnehmer wissen. „Individuelle Prozesse“, antwortet Nau. Man könne aber immer direkt messen, ob sich eine Investition in den Einsatz von KI zur Automatisierung von Prozessen lohnt. Die Frage sei also nicht, was man umsetzen möchte, sondern wann man damit anfängt.

Ausrichter der Veranstaltung „Digital MachBAR“ waren die Wirtschaftsförderung der Universitätsstadt Marburg und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Marburg-Biedenkopf (WFG). Außer Winston Nau standen noch zwei weitere Impulsvorträge auf dem Programm. Über das Thema Digitale Compliance referierte Rechtsanwalt Henning Koch (RPA). Sein Fokus lag auf der Umsetzbarkeit unter aktuellen regulatorischen

Rahmenbedingungen. Luzie Marie Hegele und Lea Sophie Michel vom Stadtmarketing Marburg präsentierten Beispiele, wie mit Social Media mehr Reichweite erzielt wird.

Nach den Impulsvorträgen war noch ausreichend Gelegenheit, mit den Referenten zu diskutieren, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen.

Oberhessische Presse, Silke Pfeifer-Sternke, 20.2.2026


Foto: Jungunternehmer Winston Nau beeindruckte bei der Veranstaltung „Digital MachBAR“

Mehr Pressemitteilungen