
II. Zukunftswerkstatt
Über 40 engagierte Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Bildung, Arbeitsvermittlung und Verwaltung kamen am 22. Mai 2025 zusammen, um praxisnahe Strategien und innovative Maßnahmen für eine nachhaltige Fachkräftesicherung in der Region weiter voranzubringen. Veranstaltet wurde die II. Zukunftswerkstatt wie schon im Dezember 2023 von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Marburg-Biedenkopf mbH (WFG) in Kooperation mit der Stabsstelle Fachkräfte für Hessen im Hessischen Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales und dem Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Herausforderungen durch den demografischen Wandel erkennen und angehen
Die aktuellen Prognosen zeigen: Der demografische Wandel wird den Landkreis Marburg-Biedenkopf in den kommenden Jahren deutlich spürbar treffen. Bis 2030 könnten laut IWAK rund 5.890 Fachkräfte fehlen – das entspricht nahezu 7 Prozent aller Beschäftigten im Kreis. Besonders betroffen: Pflege- und Gesundheitsberufe, erzieherische Berufe, Berufe der Gebäude- und Versorgungstechnik oder Berufe in der Verkehr- und Logistikbranche. „Ohne entschlossene Maßnahmen wird sich hier die Fachkräftelücke weiter vergrößern“, warnte Dr. Christa Larsen, Leiterin des IWAK. „Es braucht langfristige Perspektiven und konkrete Umsetzungsschritte, um die Zukunftsfähigkeit der Region zu sichern.“ Claudia Wesner, Leiterin der Stabsstelle Fachkräfte für Hessen, unterstrich die Bedeutung einer abgestimmten Vorgehensweise: „Für eine nachhaltige Fachkräftesicherung braucht es klare regionale Strategien. Mit der Hessischen Fach- und Arbeitskräfteinitiative „Zukunftsgerecht und regional“ unterstützen wir die Landkreise und kreisfreien Städte dabei, tragfähige Strukturen aufzubauen, Synergien zu nutzen und vorhandene Potenziale noch besser zu erschließen.“
Praktische Ansätze aus dem Landkreis im Fokus
Im Anschluss an die Präsentation der Prognosedaten stand der praxisnahe Austausch im Mittelpunkt: In drei moderierten Arbeitsgruppen diskutierten regionale Akteure:innen unter dem Titel „Fach- und Arbeitskräftebindung“ erfolgreiche Projekte und entwickelten gemeinsam neue Ideen.
Besonders vielfältig sind die Ansätze im Bereich der regionalen Berufsausbildung: Ob Praktikumswoche, Quatrikum, SchulePlus oder individuelle Lösungen – für nahezu jedes Unternehmen lässt sich ein passendes Modell finden. Einheitliche Standards gibt es nicht, wohl aber viele praxistaugliche und bedarfsgerechte Wege, die bei dieser Veranstaltung zusammengetragen wurden.
Ein weiterer Fokus lag auf der erfolgreichen Bindung von Mitarbeitenden und Erschließung von neuen Potenzialen im Bereich Pflege. Vorgestellt wurde die gemeinsame Image-Kampagne „Pflege bei uns“ der Universitätsstadt Marburg und des Landkreises Marburg-Biedenkopf, die 2023 noch in der Planung war. Maya Finkeldei von der Diakonie Bethanien gGmbH berichtete zudem über ein Projekt, das gezielt junge Menschen für soziale Berufe begeistern soll: „Durch das Ehrenamt für Teens ab 14 Jahren haben wir die Möglichkeit für sie erfahrbar zu machen, wie sinnstiftend und erfüllend die Arbeit mit älteren Menschen ist. Es geht darum, Barrieren abzubauen, Empathie zu fördern und authentische Einblicke in die Pflegeberufe zu ermöglichen.“ Auch der DUO-Day soll am 30. Oktober im Landkreis ein Ansatzpunkt sein. Am DUODAY ermöglichen Betriebe Menschen mit geistiger, psychischer oder körperlicher Beeinträchtigung einen aktiven Einblick in den Arbeitsalltag, indem sie gemeinsam mit Mitarbeitenden ein Tandem bilden und so Inklusion ganz praktisch erlebbar machen.
Der dritte Schwerpunkt galt der Bindung von Akademikerinnen und Akademikern. Das Projekt „MarWay – Wege in die Berufstätigkeit für internationale Studierende“ an der Philipps-Universität Marburg will seit 2024 zukünftige Fachkräfte durch Qualifizierung und gezielte Förderung langfristig an die Region binden. Mit dem Forum Kirchhain-Stadtallendorf hat StudiumPlus (THM) ebenfalls 2024 eine neue Netzwerkplattform im Ostkreis gestartet. Sie bringt Hochschule, Unternehmen, Schulen und Studieninteressierte zusammen, um den Bildungs- und Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken.
Gemeinsam handeln – unkompliziert und wirksam
Tobias Kurka, Geschäftsführer der WFG, betonte in seinem Resümee die Bedeutung praxisnaher und leicht zugänglicher Angebote: „Maßnahmen sollten immer so niedrigschwellig wie möglich sein – egal ob es sich um Bildungseinrichtungen oder Unternehmen handelt. Genau hier setzen wir als WFG an: Mit konkreten Informationen, klaren Strukturen und praxistauglichen Lösungen für die regionale Wirtschaft.“
Die Zukunftswerkstatt hat deutlich gemacht: Die Herausforderungen bei der Sicherung von Fach-, Führungs-, Arbeits- und Nachwuchskräften werden weiter zunehmen. Eine vollständige Bekämpfung des Personalmangels ist nicht realistisch, aber die Personallücke abzumildern, zusammen möglich. Daher wollen alle Teilnehmenden aktiv mitwirken und so gemeinsam gestalten. Durch gemeinschaftliches Engagement, regional abgestimmte Strategien und konkreten Praxisbezug lassen sich die Auswirkungen spürbar abmildern und neue Chancen eröffnen. Viele gute Ansätze sind bereits vorhanden – jetzt gilt es, diese gezielt auszubauen, sichtbarer zu machen und wirksam umzusetzen – im Schulterschluss mit Land und Bund.
Unternehmen, die Unterstützung oder Austauschmöglichkeiten rund um das Thema Arbeits- und Fachkräftesicherung suchen, finden unsere Kontaktdaten und weitere Informationen auf unserer Website.
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