Knapp 285 Millionen Euro Investitionen bis 2030

Erster Bericht der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Marburg-Biedenkopf über Wirtschaftsstandort liegt vor

Hätten Sie das gewusst? Der Landkreis Marburg-Biedenkopf ist ausgesprochen jung, was das durchschnittliche Alter seiner Einwohnerinnen und Einwohner angeht. Seit Jahren absolvieren vergleichsweise viele junge Menschen lieber eine berufliche Ausbildung als ein Studium und in Erziehung und Gesundheitswesen verdienen die Beschäftigtenüberdurchschnittlich hohe Entgelte.

Bauland ist erschwinglich und zuletzt wurden vergleichsweise viele neue Wohnungen fertiggestellt. Nur in wenigen anderen Regionen Deutschlands gibt es einen noch höheren Bestand an Vereinen als in Marburg-Biedenkopf und die Kriminalität steigt verglichen mit Regionen in Hessen und Deutschland langsam, dafür ist die Aufklärungsrate hoch.

Diese Erkenntnisse mögen nicht alle neu sein, sind aber das Ergebnis einer Regionalanalyse, die von der im Jahr 2023 gegründeten Wirtschaftsförderungsgesellschaft Marburg-Biedenkopf mbH (WFG) in Auftrag gegeben wurde. Ziel war es, einen fundierten Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis sowie über relevante Rahmenbedingungen zu bekommen. Als Ergänzung fand eine Unternehmensbefragung statt, bei der rund 1.000 Unternehmen und Betriebe aus dem Landkreis angeschrieben wurden. Rund 180 Verantwortliche haben die Fragenbeantwortet.

Das sind die Ergebnisse für Marburg-Biedenkopf

Im Landkreis gibt es rund 1.900 Unternehmen mit etwa 94.000 Beschäftigten. Die an der Umfrage beteiligten Unternehmen repräsentieren, so hält es der Bericht „Der Wirtschaftsstandort Marburg-Biedenkopf in Zahlen 2025“ fest, einen breiten Branchenmix. Die meisten Unternehmen sind Handwerksbetriebe (24,14 Prozent) gefolgt von Industrie (16,75 Prozent) und Baugewerbe (11,82 Prozent). Am wenigsten Unternehmen sind in der Kultur- und Kreativwirtschaft (0,99 Prozent) tätig.

Die Unternehmen planen nach eigenen Angaben erhebliche Investitionen an ihrem Standort in den nächsten fünf Jahren: 100 Betriebe wollen demnach knapp 285 Millionen Euro bis zum Jahr 2030 investieren. Der zusätzliche Bedarf an Gewerbeflächen wirkt zwar zunächst überschaubar: 13,74 Prozent der antwortenden Unternehmen haben in den nächsten drei Jahren zusätzlichen Flächenbedarf.

Allerdings werden etwa 17 Gewerbegrundstücke von 400 bis 50.000 Quadratmetern in den nächsten drei Jahren gebraucht und 15 Gewerbeimmobilien mit Flächen von 100 bis 8.000 Quadratmetern. Zudem gibt jedes neunte Unternehmen an, freie Flächen, beispielsweise Büro- oder Lagerräume, für die Fremdnutzung zur Verfügung stellen zu können.

Fünf von sechs Unternehmen suchen neue Arbeitskräfte

Großes Thema für die Unternehmen ist der Fachkräftemangel. Viele Betriebe, die sich an der WFG-Umfrage beteiligten, sind unzufrieden mit der Verfügbarkeit von Arbeits- und Fachkräften als Standortfaktor. Fünf von sechs Unternehmen brauchen neue Arbeitskräfte, finden diese aber nur schwer. Mehr als 40 Prozent mussten bereits Aufträge ablehnen, weil ihnen das Personal fehlte.

Weitere für Unternehmen sehr wichtige Standortfaktoren sind neben der Verfügbarkeit von Arbeits- und Fachkräften (64,89 Prozent) die Breitbandverfügbarkeit (64,32 Prozent), die Nähe zu Kundinnen und Kunden (52,95 Prozent), die regionale Straßenanbindung (52,94 Prozent) und das Bildungsangebot an Schulen und Hochschulen (51,08 Prozent).

Am unwichtigsten sind den Betrieben der Schienenanschluss für gewerbliche Transportalternativen sowie Beherbergungs- und Veranstaltungsmöglichkeiten.

Unterstützungsbedarf sehen sie bei der Gewinnung und Anwerbung von Arbeits- und Fachkräften, der Fördermittelberatung und -vermittlung, der Vernetzung von anderen Unternehmen und Institutionen sowie der Sichtbarkeit des eigenen Unternehmens.

Oberhessische Presse, 11.10.2025, Katharina Kaufmann-Hirsch

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